Knorpelschäden/Arthrose
Bewegungseinschränkungen

Zurück

Knorpelschäden/Arthrose

 

Inhalt


 

Allgemeines

Der Gelenkknorpel (hyaliner Knorpel) bedeckt die Oberflächen der Speichen, der Elle und des Oberarmknochens im Ellnbogengelenk. Knorpelgewebe dient der Stossdämpfung während der Belastung. Das Gewebe ermöglicht außerdem ein reibungsarmes Gleiten der Gelenkpartner bei der Kniegelenkbewegung. Knorpelschäden können durch eine einmalige Verletzung, z.B. bei einem Verdrehmechanismus mit Abscherung entstehen. Häufiger findet sich ein Knorpelschaden als Folge wiederholter hoher Krafteinwirkungen und infolge von Verschleiß. Im Knorpelgewebe des Erwachsenen findet eine Heilung kaum statt, sodass Knorpelschäden dauerhaft bleiben oder sogar noch fortschreiten. Die Folge sind belastungsabhängige Gelenkschmerzen mit Gelenkschwellung. Eine Erkennung von Knorpelschäden ist mittels Magnetresonanztomographie (MRT) möglich. Die exakte Beurteilung erfolgt jedoch erst in der Ellenbogenspiegelung (Arthroskopie). Hierbei kann der gesamte Knorpelüberzug des Gelenkes inspiziert werden. Zusätzlich erfolgt die Untersuchung durch einen Tasthaken. Findet sich ein Knorpeldefekt, so wird dieser zunächst nach seiner Lage, seiner Ausdehnung und der Tiefe beurteilt (Klassifikation nach Outerbridge). Hochgradige Knorpelschäden und die Arthrose des Ellenbogengelenkes lassen sich über indirekte Zeichen auch im Röntgenbild erkennen.

Klassifikation von Knorpeldefekten nach Outerbridge

 

 

Oberflächlicher Knorpelschaden

Erweichter Knorpel (Grad I nach Outerbridge) kann als Folge einer Überlastung gedeutet werden. Eine spezifische Behandlungsmöglichkeit besteht nicht. Knorpeldefekte, welche in den oberflächlichen Schichten liegen (Grad II nach Outerbridge), verursachen in der Regel kaum Beschwerden und werden dementsprechend – falls man sie z.B. im Rahmen einer Arthroskopie erkennt - belassen. Finden sich hierbei lose Knorpelanteile, welche in das Gelenk hinein ragen, so werden diese mit einer speziellen Fräse geglättet (Knorpelglättung/Chondroplastik), um ein Fortschreiten oder eine Gelenkreizung zu vermeiden.

Mittelgradiger Knorpelschaden

Tiefe Knorpeldefekte, die am Grund noch eine knorpelige Schicht aufweisen (Grad III nach Outerbridge), werden in der Regel im Rahmen eines arthroskopischen Eingriffes geglättet und insbesondere der Randwall hierbei stabilisiert (Knorpelglättung/Chondroplastik).

Tiefer Knorpelschaden

Bei Knorpelschäden mit freiliegendem Knochen am Grund (Grad IV nach Outerbridge) verwenden wir die Verfahren der sog. Mikrofrakturierung, Anbohrung oder Abrasionsarthroplastik. Hierbei wird im Rahmen der Arthroskopie (also in einem Eingriff) der Knochen am Boden des Knorpeldefektes eröffnet. Aus den Knochenöffnungen blutet es in den Knorpeldefekt ein, bis der Defekt von einem Blutpfropf ausgefüllt ist. Mit dem Blut gelangen sog. Stammzellen in den Bezirk, welche in der Lage sind, eine Heilung des Gewebes unter Bildung einer Knorpelnarbe anzuregen. Man macht sich somit also die körpereigenen Reparaturmechanismen zunutze. Dieser Ersatzknorpel (sog. Faserknorpel) unterscheidet sich jedoch sowohl hinsichtlich seiner mechanischen Eigenschaften als auch seiner Struktur von dem ursprünglichen (hyalinen) Gelenkknorpel. Bei kleinen Knorpeldefekten reicht dieses Ersatzgewebe jedoch aus, um die Beschwerden zu verringern. Verfahren der Knorpelzelltransplantation (autologe Knorpezelltransplantation = ACT) oder die Knorpel-Knochen-Transplantation sind aufgrund der anatomischen Verhältnisse am Ellenbogengelenk bisher nur eingeschränkt einsetzbar.

Behandlung eines tiefen Knorpelschadens durch Abrasion

 

 

Osteochondrosis dissecans

Bei der Osteochondrosis dissecans (OCD) liegt die Ursache für einen Knorpelschaden in einer Störung der Ernährung des Knochens unmittelbar unterhalb des Knorpels. Diese Erkrankung kann ohne Beschwerden verlaufen, aber auch zu Schmerzen und Schwellungen führen. Diese werden dadurch ausgelöst, dass sich ein Knorpel-Knochen-Stück lösen und aus der Gelenkfläche herauskippen kann. So kann es auch zu schmerzhaften Einklemmungserscheinungen des Kniegelenkes kommen. In manchen Fällen kann die Störung der Knochenernährung frühzeitig, noch vor Entstehung eines Knorpeldefektes, durch eine Kernspintomographie (MRT) erkannt werden. Findet sich in der Arthroskopie noch heiler Knorpel, so kann durch eine Knochenbohrung die Durchblutung des Knochens angeregt werden und die Erkrankung somit zur Ausheilung gebracht werden. Dieses gelingt jedoch nicht in allen Fällen. Findet sich ein lockeres Knorpel-Knochen-Stück, so wird dieses - wenn möglich - wieder angeheftet (Fragmentrefixation). Gelingt die Anheftung nicht, wird das abgelöste Stück entfernt (Fragementresektion). Der verbleibende Defekt wird nach den selben Kriterien wie ein tiefer Knorpelschaden behandelt.

Arthrose / Verschleiß des Ellenbogengelenkes

Bei der Arthrose des Ellenbogengelenkes kommt es im Verlauf zu wiederkehrenden Entzündungen (Schmerzen, Schwellung, Überwärmung). Die Arthrose betrifft mit der Zeit alle Teile des Gelenkes (Knorpel, Knochen, Gelenkschleimhaut, Bänder, Kapsel). Durch eine arthroskopische Behandlung können Knorpeldefekte geglättet und stabilisiert werden (s.o.). Liegt der Knochen bereits frei, so kann eine Knochenfräsung (Abrasionsarthroplastik) durchgeführt werden. Durch die Spülung des Gelenkes während der Arthroskopie (Lavage) werden Abriebpartikel und aggressive Stoffe aus dem Gelenk gespült, so dass insgesamt die Erkrankung verzögert wird. Zusätzlich kann eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung durch die Entfernung von mechanisch störenden Knochenanbauten (Osteophytenresektion) oder durch eine Lösung von Kapsel-Band-Verklebungen (Release) verbessert werden. Bei einer ausgeprägten Arthrose oder wiederkehrenden Beschwerden nach einem arthroskopischen Behandlungsversuch ist in der Regel die Implantation einer Ellenbogenprothese oder eine Versteifungsoperation notwendig.